Trainersuche VfL Wolfsburg Dezember 2012: Warum Dieter Hecking und nicht Bernd Schuster Trainer wurde

Ausgangssituation

Nach anhaltender sportlicher Talfahrt in der ersten Saisonhälfte 2012/13 wurde Trainer und Sportdirektor Felix Magath vom VfL Wolfsburg Anfang Dezember entlassen.

Ein neuer Sportdirektor wurde relativ schnell bei Ligakonkurrent Werder Bremen abgeworben: Klaus Allofs.

Die erste und wichtigste Aufgabe des neuen Sportdirektors war es, einen neuen Trainer zu verpflichten. 

Nach einer kurzen Orientierungsphase (und öffentlicher Diskussion der üblichen Verdächtigen für vakante Trainerposten in der Fußball-Bundesliga) kristallisierte sich ein Favorit heraus.

In den Medien wurde die Verpflichtung von Bernd Schuster als neuem Trainer als so sicher kolportiert, dass sich schon Protest von Fanseite im Internet formierte. Dessen ungeachtet wurde allgemein mit einer kurzfristigen Bestätigung der Personalie durch den Verein gerechnet.

Ergebnis

Es kam ganz anders.

Nur kurze Zeit nach der erwarteten Bestätigung gab der neue Sportdirektor Klaus Allofs die Verpflichtung des neuen VfL Wolfsburg-Trainers bekannt: Dieter Hecking vom 1. FC Nürnberg. Eine wahrhaft überraschende Wendung des Falles.

Klaus Allofs hatte Gerüchte über die bevorstehende Verpflichtung von Bernd Schuster nur in so weit genährt, dass er Gespräche bestätigte und den Fakt, dass „Schuster ein Kandidat für diesen Posten“ sei.

Auflösung

Nachdem sich die allgemeine Überraschung gelegt hatte, sickerten mögliche Gründe dafür durch, dass der offensichtliche Favorit am Ende nicht erfolgreich war. Es war von hohen Gehaltsforderungen inkl. eines (nahezu) kompletten Austausches des Trainer- und Betreuerstabes die Rede.

Sich von Seiten des Vereins auf eine erfolgreiche Einigung mit dem Favoriten zu verlassen ohne gleichzeitig weitere Alternativen zu verfolgen, hätte desaströse Folgen haben können. Das BATNA in den Verhandlungen mit Schuster wäre dramatisch schlechter gewesen. Der Abbruch der Verhandlungen hätte Zeitverzug und Reputationsverlust nach sich gezogen, ein später verpflichteter Trainer wäre als nur zweitbeste Lösung gekommen.

Parallel zur nahezu öffentlichen Verhandlung mit dem Favoriten Schuster diskrete Gespräche mindestens mit einem weiteren Kandidaten (Hecking) geführt zu haben, war ein erster deutlicher Kompetenzbeweis des neuen Sportdirektors. Nur dadurch konnten die offensichtlich für den Verein unannehmbaren Forderungen Schusters ohne negative Konsequenzen abgelehnt werden.

Glaubwürdige Alternativen sind erfolgsentscheidend!

Hier hat jemand seine Hausaufgaben gemacht. Kompliment, Herr Allofs.

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